m/w/d – Das dritte Geschlecht in Marketing und HR

Rechtliche Aspekte (DSGVO und Co)

In diesem Blog beschäftige ich mich mit dem neuen dritten Geschlecht und welche Auswirkungen es auf Marketing und HR hat. Eine persönliche Betrachtung.

Drittes Geschlecht

Das dritte Geschlecht hat unter anderem Auswirkungen auf Marketing und HR

Da es mich selbst in Bezug auf meine Online-Auftritte und eventuell auch meine Kunden in Projekten betrifft, habe ich mich die letzten Tage etwas ausführlicher damit beschäftigt. Gleich vorweg: Ich nehme keine Stellung zu den Änderungen, ich berichte ausschließlich davon, was ich bei mir angepasst habe bzw. in Zukunft ändern werde.

Um das dritte Geschlecht wurde lange gekämpft, nun gibt es eine entsprechende Gesetzesänderung.

Es geht vor allem um den Eintrag im Personenstandsregister. Hier kann bei der Eintragung eines neu geboren Kindes nun “divers” alternativ zu “weiblich” oder “männlich” eingetragen werden

§ 22 (3) PStG

“(3) Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so kann der Personenstandsfall auch ohne eine solche Angabe oder mit der Angabe „divers“ in das Geburtenregister eingetragen werden.”

Mit dieser Änderung und der Festlegung auf “divers” als Bezeichnung wurde anerkannt, dass es Menschen gibt, die weder “weiblich” noch “männlich” sind.

Das dritte Geschlecht in Stellenanzeigen

Noch etwas schwer zu erfassen, jedenfalls für mich, sind die Auswirkungen auf das Arbeitsrecht. So wird es wohl in Betrieben Änderungen geben müssen, z. B. bei der Ansprache der Mitarbeiter,  aber auch bei Stellenanzeigen.

In den letzten Monaten konnten wir schon die ein oder andere Stellenanzeige sehen, die darauf eingeht. Statt (m/w) hinter dem generischen Maskulinum der Stellen-Bezeichnung findet sich nun ein (m/w/d).

m/w/d steht dabei für männlich, weiblich, divers.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gibt eine merkmalsneutrale Stellenausschreibung vor. Daher sollten Unternehmen ab 01.01.2019 auf eine entsprechende Formulierung in den Stellenanzeigen achten.

Am besten wäre wohl, die Position neutral zu beschreiben, also nicht das Generische Maskulinum zu verwenden. Wer einen Online-Marketing-Manager sucht, könnte beispielsweise folgende Formulierung verwenden:

  • “Unser Online-Marketing-Team sucht Unterstützung”
  • “Wer übernimmt unser Online-Marketing-Management”

Das ist nicht einfach. Üblicherweise schreiben wir keine Aufgabe aus, sondern suchen eine Person für diese Aufgabe. Und bei Personen sind wir es gewohnt an Frauen oder Männer zu denken. Außerdem sind Job-Beschreibungen meistens männlich. Ich war jahrelang ein “Channel Marketing Manager”.

Wer nicht komplett neutral formulieren will oder kann, der kann nun auf das generische Maskulinum zurückgreifen mit dem Zusatz (m/w/d). So mein Verständnis der Situation. Allerdings ist auch das generische Maskulinum umstritten. Aber diese Variante ist besser als nur einen Manager oder eine Managerin zu suchen, da dann jeweils die anderen beiden Geschlechter ausgeschlossen wären.

Also: Online-Marketing-Manager (m/w/d).

Das dritte Geschlecht im Marketing

Es ist für mich noch etwas schwer zu überblicken, wie viele Änderungen es im Marketing geben muss. Klar ist jedoch, dass bei der Abfrage von Personendaten, beispielsweise im Kontaktformular einer Webseite, eine neutrale Abfrage notwendig ist. Ich habe beispielsweise bisher in meinen Kontaktformularen die Anrede (Frau/Herr) abgefragt. Ob ein potentieller Kunde Mann oder Frau ist, war mir herzlich egal. Aber ich brauchte diese Abfrage für eine korrekte Anrede im folgenden Schriftwechsel.

Kontaktformulare

Ich habe die Anrede nun aus allen Kontaktformularen gelöscht und frage stattdessen nach Vorname und Nachname. Und werde dann im ersten Schriftwechsel die Person neutral ansprechen mit “Guten Tag Vorname Nachname“. Die Empfehlung ist übrigens, beim ersten Kontakt dann nachzufragen, welche Anrede die Person bevorzugt. Das wird eine Umstellung.

Datenbanken

In CRM- und anderen Systemen wird die Anrede normalerweise auch mitgeführt, um eben zu wissen, wie die Person angesprochen werden kann. Hier müsste es wohl eine weitere Option zu Herr und Frau geben. Oder wenigstens die Option, das Feld leer zu lassen.

Text und Wort

Noch ist nichts festgelegt. Diskutiert wird wohl ein neues Pronomen, “sie_r” beispielsweise. Ich finde, wenn ich allgemeine Texte auf meiner Webseite verfasse, kann ich beim generischen Maskulinum bleiben. Wenn ich jedoch über eine Person schreibe, sollte ich diese richtig darstellen und im Zweifel das passende Pronomen verwenden oder immer den Vornamen.

Aktuell konnte ich im Duden dazu noch nichts finden und auch der Rat für deutsche Rechtschreibung hat keine abschließende Empfehlung. Der Bericht und Vorschläge der AG „Geschlechtergerechte Schreibung“ zur Sitzung des Rats für deutsche Rechtschreibung am 16.11.2018 (PDF) macht deutlich, wie schwierig das Thema ist.

Abschluss

Vieles ist noch unspezifisch. Fakt ist, eine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts darf nicht erfolgen. Wie sich das auf unsere Sprache und andere Begebenheiten auswirkt, wird sich wohl im Laufe der nächsten Monate zeigen.

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